Notunterkünfte in Leipzig bleiben wegen Kälte durchgehend offen
Notunterkünfte in Leipzig bleiben wegen Kälte durchgehend offen, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Kälte, Schnee und Temperaturen unter 0 Grad verschärfen die Lage für Menschen ohne Wohnung. In Leipzig reagiert die Stadt kurzfristig. Sechs städtische Notunterkünfte bleiben von Sonnabend bis einschließlich Montag durchgehend geöffnet. Die Maßnahme ist zeitlich begrenzt. Sie gilt nur für wenige Tage. Die Situation steht im Zusammenhang mit einer wachsenden sozialen Belastung, die auch im Beitrag zur wachsenden Wohnungsnot beschrieben wird.

Inhaltsverzeichnis:

Stadt Leipzig und sechs notunterkünfte

Von Sonnabend an bis einschließlich Montag öffnen die sechs Einrichtungen ohne Unterbrechung. Das teilte die Stadt Leipzig am Donnerstag mit. Normalerweise schließen die Häuser täglich um 8 Uhr. Der Betrieb beschränkt sich sonst auf Abend- und Nachtstunden. Tagsüber müssen Nutzerinnen und Nutzer die Unterkünfte verlassen. Eine ganztägige Öffnung erfolgt laut Stadt nur bei extremen Wetterlagen.

Die temporäre Regelung weicht von der bisherigen Praxis ab. Sie gilt für alle sechs Standorte. Damit reagiert Leipzig auf Minusgrade und anhaltenden Schneefall. Die Stadt betont den Ausnahmecharakter der Entscheidung. Hintergrund sind unter anderem steigende Belastungen im Sozialbereich, mehr dazu hier.

Rückmarsdorfer Straße und männernotunterkunft

In der Notunterkunft für Männer in der Rückmarsdorfer Straße galten zunächst die regulären Zeiten. Nach dem morgendlichen Schließen suchen viele Zuflucht an warmen Orten. Einkaufszentren wie das Paunsdorf Center oder das Allee Center in Grünau werden genutzt.

Shaik bleibt in Bewegung. Das helfe gegen die Kälte. Er sagt wörtlich „Ich muss jetzt laufen bis 16 Uhr, weil wir nicht hier bleiben dürfen. Vielleicht werde ich mich irgendwo hinzusetzen und Kaffee trinken. Oder Arbeit suchen. Dann wieder ein paar Stunden zurück laufen. Acht Stunden in dieser Kälte, das ist echt zu viel.“ Jens nutzt die Unterkunft schon länger. Er erklärt „Zumindest wünsche ich mir, dass sie durchgehend Leute reinlassen, damit man nicht früh um 8 Uhr raus muss vom warmen Bett in die Kälte.“ Danach geht er zur Kaufhalle und zur Bahnhofsmission.

Wohnungssuche und jobcenter termine

Ming schläft seit November jede Nacht in der Männernotunterkunft. Sein Tag ist durch Termine strukturiert. „Ich habe heute zwei Wohnungsbesichtigungen und einen Termin beim Jobcenter. Da bin ich schon gut ausgelastet.“ Das hält ihn in Bewegung. Sein Blick richtet sich auf andere Betroffene. „Die Stadt muss noch viel mehr Einrichtungen bauen“, fordert er. „Es gibt noch viel mehr Menschen auf der Straße, die rumrennen und überhaupt kein Obdach haben.“ Seine Aussagen spiegeln Probleme wider, die auch im Überblick zum angespannten Wohnungsmarkt thematisiert werden.

Nachfrage, zahlen und weitere angebote

Die Nachfrage steigt seit Jahren. Laut statistischem Landesamt sind rund 1.000 Menschen in Leipzig wohnungslos. Weitere Betroffene werden nicht erfasst. Sechs Notunterkünfte sind regelmäßig voll belegt. Ergänzend nimmt das HomePlanet Hostel in Connewitz im Winter wohnungslose Menschen auf. Im November eröffnete die Stadt eine Unterkunft mit 36 Betten in Wiederitzsch. Dort endet der Aufenthalt bereits um 7 Uhr.

  • Bahnhofsmission als Aufenthaltsort
  • Ausgabe von Notrucksäcken
  • Bereitstellung von Schlafsäcken

Regionale kommunen und längere öffnungszeiten

In der Region gelten teils andere Regeln. Eilenburg bietet zwei Notwohnungen mit ganztägiger Nutzung. Schkeuditz stellt vier Wohneinheiten bereit, die auch tagsüber geöffnet sind. Oschatz erlaubt Tagesaufenthalte in Einzelfällen. Torgau hält die Obdachlosenunterkunft ganztägig offen. Auf eine Anfrage, warum dies in Leipzig nicht möglich sei, blieb eine Antwort der Stadt bislang aus.

Die Leipziger Sonderöffnung endet am Montag. Danach gelten wieder die regulären Zeiten. Die Kälte bleibt. Die Nachfrage ebenfalls.

Prüfe die Standorte der Notunterkünfte für Obdachlose auf Google Maps:

Karte: Google Maps

Quelle: MDR, MILEKCORP

FAQ

Warum öffnet Leipzig die Notunterkünfte ganztägig?

Die Stadt Leipzig reagiert auf anhaltende Minusgrade und Schneefall. Sechs städtische Notunterkünfte bleiben von Sonnabend bis einschließlich Montag rund um die Uhr geöffnet, um Menschen ohne Wohnung vor lebensgefährlicher Kälte zu schützen.

Wie sind die regulären Öffnungszeiten der Notunterkünfte?

Im Normalbetrieb sind die städtischen Notunterkünfte nur abends und nachts geöffnet. Täglich schließen die Einrichtungen um 8 Uhr morgens, sodass Nutzerinnen und Nutzer die Gebäude tagsüber verlassen müssen.

Wie viele Notunterkünfte gibt es in Leipzig?

Die Stadt Leipzig betreibt sechs Notunterkünfte. Diese sind laut Angaben der Stadt regelmäßig vollständig belegt, besonders in den Wintermonaten.

Wie viele Menschen gelten in Leipzig als wohnungslos?

Nach Angaben des statistischen Landesamtes sind rund 1.000 Menschen in Leipzig wohnungslos. Zusätzlich gibt es weitere Betroffene, die statistisch nicht erfasst werden.

Welche zusätzlichen Angebote gibt es für den Tagesaufenthalt?

Für die Zeit außerhalb der Notunterkünfte verweist die Stadt Leipzig auf Einrichtungen wie die Bahnhofsmission. Zudem werden Notrucksäcke und Schlafsäcke zur Unterstützung ausgegeben.

Welche Regelungen gelten in umliegenden Städten?

In der Region sind die Angebote teilweise flexibler. Eilenburg, Schkeuditz und Torgau bieten ganztägig geöffnete Unterkünfte, während Oschatz Tagesaufenthalte in Einzelfällen erlaubt.