Immer mehr Leipziger besuchen seit dem Wegfall der Eintrittspreise die ständigen Ausstellungen der Museen. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen wollte wissen, ob eine ähnliche Regelung auch für die Städtischen Bibliotheken funktionieren könnte. Ihre Idee: Mehr Menschen würden Bücher ausleihen, Bildungsgerechtigkeit würde gefördert, soziale Teilhabe gestärkt. Doch die Stadtbibliothek Leipzig sieht erhebliche finanzielle Hürden.
Inhaltsverzeichnis:
- Stadtbibliothek Leipzig nennt konkrete Zahlen
- Ohne Gebühren klafft ein Millionenloch
- Erfahrungen aus Wiesbaden und Nürnberg ernüchtern
- Keine Umsetzung in Sicht
Stadtbibliothek Leipzig nennt konkrete Zahlen
Die Stadt rechnet klar vor: Im Doppelhaushalt 2025/26 sind jährlich 784.500 Euro an Einnahmen aus Bibliotheksgebühren eingeplant. Davon stammen:
- 440.000 Euro (56 %) aus Jahresnutzungsgebühren
- 266.000 Euro (34 %) aus Mahngebühren
- 78.500 Euro (10 %) aus sonstigen Gebühren
Zudem stiegen die Einnahmen in den letzten Jahren sogar leicht: 2023 um 60.000 Euro, 2024 um 100.000 Euro über Plan. Grund dafür ist die jährlich zunehmende Nutzung – etwa 3 % mehr pro Jahr. Aktuell nutzen 46 % der Bibliotheksbesucher die Angebote kostenlos, da sie unter 19 Jahre alt sind. Der Besuch selbst ist für alle Altersgruppen kostenfrei, Gebühren fallen nur bei der Entleihung für zu Hause und bei Onlinediensten an.
Ohne Gebühren klafft ein Millionenloch
Ein völliger Verzicht auf alle Gebühren ab 2027 hätte gravierende Folgen. Es würde jährlich 784.500 Euro plus rund 3 % Steigerung fehlen – 2028 wären das rund 832.000 Euro. Schon der Wegfall der Jahresnutzungsgebühren allein würde ein Defizit von über 450.000 Euro im Jahr verursachen. Diese Summe müsste aus dem kommunalen Haushalt ersetzt werden – und dafür fehlt Leipzig das Geld.
Ein weiterer Knackpunkt: Die Bibliotheken konnten bei steigenden Kosten keine höheren Mittel für medienbezogene Ausgaben einplanen. Stattdessen gab es Anpassungen nur für Reinigung und Sicherheit. Ohne Gebührenerhöhungen drohen Leistungseinschränkungen. Deshalb wird im zweiten Halbjahr 2025 eine neue Gebührensatzung mit höheren Tarifen erwartet.
Erfahrungen aus Wiesbaden und Nürnberg ernüchtern
Die Grünen hofften, dass durch gebührenfreie Nutzung mehr Menschen regelmäßig lesen würden. Die Leipziger Bibliothek verweist jedoch auf andere Städte. In Wiesbaden stieg die Zahl der Anmeldungen 2022 nach der Gebührenabschaffung zwar kurzfristig um 10–15 %. Doch die Entleihzahlen blieben auf Dauer nahezu unverändert. Auch in Nürnberg führte die Gebührenfreiheit zwischen 2013 und 2017 nicht zu einer dauerhaften Veränderung. Dort wurden die Gebühren aus finanziellen Gründen wieder eingeführt – mit organisatorischem Mehraufwand und wenig Akzeptanz bei der Bevölkerung.
Diese Erfahrungen zeigen: Eine hohe Nutzung hängt weniger von der Gebührenfreiheit ab, sondern vielmehr von der Qualität des Angebots. Dazu gehören aktuelle Medien, gute Ausstattung und funktionierende Technik.
Keine Umsetzung in Sicht
Die Stadt Leipzig sieht keine realistische Möglichkeit, die Bibliotheksgebühren vollständig und dauerhaft abzuschaffen. Ein nachhaltiger Wegfall sei mit den derzeitigen Haushaltsvorgaben nicht vereinbar. Die Genehmigung des Haushaltsplans 2025/2026 durch die Landesdirektion steht noch aus. Mögliche Auflagen sind noch nicht absehbar. Die finanzielle Lage der Stadt lässt kurzfristig keine zusätzlichen Ausgaben zu.
Trotz des nachvollziehbaren Wunsches, möglichst viele Menschen für das Lesen zu begeistern, zeigt sich: Ohne stabile Finanzierung und politischen Spielraum bleiben Gebührenfreiheit und Ausbau des Angebots ein Ziel, das vorerst nicht erreichbar ist.
Quelle: Leipziger Zeitung