Elternchaos vor Leipziger Schulen – Schulstraßen sollen helfen
Elternchaos vor Leipziger Schulen – Schulstraßen sollen helfen, Foto: Pexels/Pexels-Lizenz

Vor mehreren Grundschulen in Leipzig herrscht täglich Verkehrschaos. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto direkt bis zum Schultor, während Fußgänger und Radfahrer oft gefährlich gedrängt werden. Die Stadt Leipzig sucht nach Lösungen, um die Sicherheit der Schulkinder zu verbessern und gleichzeitig den morgendlichen Verkehr zu entlasten.

Inhaltsverzeichnis:

Schulstraßen als neue Lösung

Die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat brachte im März einen Antrag ein, Schulstraßen als Pilotprojekt einzurichten. Dabei handelt es sich um Straßenabschnitte, die kurz vor Unterrichtsbeginn für Kraftfahrzeuge gesperrt werden. Ziel ist, dass Kinder sicherer zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen. Ähnliche Projekte laufen bereits in Städten wie Wien, Frankfurt am Main und München.

Das Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA) schlug drei mögliche Standorte vor, an denen Pilotversuche starten könnten. Besonders hervorgehoben wurden:

  1. Am Auensee (Opferweg)
  2. Alfred-Kästner-Schule (Gartenwinkel) in Lindenthal

Diese Straßen sollen für ein Schuljahr testweise beschildert und zeitweise gesperrt werden. Der Versuch soll zeigen, wie effektiv solche Maßnahmen zur Verkehrssicherheit beitragen.

Verwaltung und Fraktionen im Austausch

Der Antrag der SPD-Fraktion fand grundsätzlich Unterstützung in der Verwaltung. Allerdings machte das MTA deutlich, dass aufgrund begrenzter Mittel nur Beschilderungen möglich seien. Physische Absperrungen, wie mobile Baken, sind derzeit nicht finanzierbar. Auch die Polizei müsste Kontrollen übernehmen, was nicht von der Stadt gesteuert werden kann.

Ute Köhler-Siegel, schulpolitische Sprecherin der SPD, stellte den Antrag dennoch zur Abstimmung. Unmittelbar vor der Ratsversammlung am 26. November reichte die CDU-Fraktion jedoch einen Änderungsantrag mit fünf Punkten ein, der verschiedene Vorschläge kombinierte – auch von der Linksfraktion.

Die Linke betonte, dass eine erfolgreiche Umsetzung von der Akzeptanz der Eltern abhängt. Ohne deren Zustimmung könne ein solches Projekt kaum funktionieren. Franziska Riekewald von der Linksfraktion forderte daher, Eltern stärker einzubeziehen. Schulen sollten eigenständig über Schulkonferenzen Interesse an Schulstraßen bekunden können.

Pilotversuche und Alternativen

In der Ratsversammlung fand der Vorschlag für die beiden Pilotstandorte breite Zustimmung. Die Stadt wird die Einrichtung von Schulstraßen in Lindenthal und am Auensee prüfen und bei positiver Bewertung umsetzen. Weitere mögliche Projekte könnten in der Sebastian-Bach-Straße beim Forum Thomanum folgen.

Neben den Sperrungen sollen auch ergänzende Maßnahmen geprüft werden, etwa Einbahnstraßenregelungen oder sogenannte Kiss-&-Go-Zonen, in denen Eltern ihre Kinder kurz absetzen können. Solche Zonen werden bereits in mehreren Leipziger Stadtteilen getestet, um die Verkehrssituation zu entzerren.

Ein ähnliches Konzept verfolgt die Stadt auch bei der geplanten Ausweitung bewirtschafteter Parkflächen, die langfristig zu weniger Autoverkehr führen soll. Auch das Thema Schulwegsicherheit ist Teil größerer städtischer Projekte, wie die Maßnahmen gegen Verkehrslärm in Leipzig zeigen.

Verantwortung und nächste Schritte

Nicht alle Anträge der CDU fanden Zustimmung. Eine Begrenzung der Pilotprojekte auf ein Schuljahr wurde abgelehnt. Ebenso scheiterte der Vorschlag einer verpflichtenden Elternbefragung zur Evaluation. Dennoch sind sich alle Fraktionen einig, dass die Stadt erste Schulstraßen testen und auswerten wird, um daraus langfristige Strategien für sichere Schulwege zu entwickeln.

Das Thema fügt sich in eine Reihe von Maßnahmen ein, die Leipzig in den letzten Monaten zur Verkehrsoptimierung gestartet hat. Projekte wie das neue Verkehrsnetz im Löwitz-Quartier oder die Ausweitung von Fahrradwegen zeigen, dass die Stadt den Wandel hin zu einer sicheren und umweltfreundlichen Mobilität aktiv vorantreibt.

Mit den geplanten Schulstraßen will Leipzig ein deutliches Zeichen für Sicherheit und Nachhaltigkeit setzen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die neuen Konzepte im Alltag bewähren.

Überprüfen Sie die Standorte der Grundschulen in Leipzig auf Google Maps:

Karte: Google Maps

Quelle: LEIPZIGER ZEITUNG, WEBRIVAIG

FAQ

Was sind Schulstraßen?

Schulstraßen sind zeitweise gesperrte Straßenabschnitte im unmittelbaren Umfeld von Schulen. Sie werden vor Schulbeginn und teilweise nach Unterrichtsende für den Autoverkehr geschlossen, um die Sicherheit von Kindern auf dem Schulweg zu erhöhen.

Wo sollen die ersten Schulstraßen in Leipzig eingerichtet werden?

Die Stadt Leipzig plant Pilotprojekte an zwei Standorten: Am Auensee (Opferweg) und an der Alfred-Kästner-Schule im Gartenwinkel in Lindenthal. Beide Standorte sollen zunächst ein Schuljahr lang getestet werden.

Wer hat den Antrag auf Schulstraßen gestellt?

Die Initiative stammt von der SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat. Unterstützt wird sie von weiteren Parteien wie der Linksfraktion, während die CDU-Fraktion eigene Änderungsanträge eingebracht hat.

Warum sind Schulstraßen umstritten?

Einige Fraktionen befürchten Verdrängungseffekte des Autoverkehrs in Nebenstraßen. Andere argumentieren, dass nur mit Zustimmung der Eltern und einer breiten Akzeptanz vor Ort das Projekt erfolgreich sein kann.

Welche Alternativen zu Schulstraßen prüft die Stadt?

Neben Schulstraßen prüft Leipzig auch Einbahnstraßenregelungen, Tempo-30-Zonen und sogenannte Kiss-&-Go-Bereiche, in denen Eltern ihre Kinder kurz absetzen können, ohne den Verkehrsfluss zu behindern.

Wie wird der Erfolg der Pilotprojekte bewertet?

Die Ergebnisse werden nach einem Jahr gemeinsam mit Schulen, Polizei und der AG Schulwegsicherheit ausgewertet. Dabei werden Verkehrssicherheit, Akzeptanz und Wirksamkeit der Maßnahmen analysiert.