Wohnungsumwandlung in Leipzig
Wohnungsumwandlung in Leipzig, Foto: Pixabay

Die Lage auf dem Leipziger Wohnungsmarkt spitzt sich weiter zu. In beliebten Stadtteilen wie Schleußig und Plagwitz liegt die Leerstandsquote bereits bei unter 1 Prozent. Immer mehr Immobilien wechseln den Eigentümer, wobei besonders Investoren aus Westdeutschland profitieren. Gleichzeitig verschärfen Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen die Situation deutlich.

Inhaltsverzeichnis:

Schnorrstraße in Schleußig sorgt für Aufsehen

Ein Fall in der Schnorrstraße zeigte, wie rasant die Entwicklungen voranschreiten. Alle Bewohner eines Hauses erhielten Kündigungen, weil die neuen Eigentümer höhere Renditen anstrebten. Geplant war die Umwandlung der Mietwohnungen in Eigentumswohnungen. Offiziell wurde dabei sogar Eigenbedarf als Option erwähnt, obwohl das nach geltendem Mietrecht nicht zulässig ist.

Solche Methoden werden mittlerweile systematisch angewendet. Mietwohnungen verschwinden Schritt für Schritt und werden durch hochpreisige Objekte ersetzt. Die Folgen sind Verdrängung und soziale Segregation.

Immer weniger Mietwohnungen
Immer weniger Mietwohnungen, Foto: Pixabay-Pexels

Initiative der Linksfraktion im Stadtrat

Am 27. August stellte die Linksfraktion dieses Thema im Leipziger Stadtrat zur Diskussion. Stadträtin Dr. Elisa Gerbsch betonte die sozialen Folgen. Die Fraktion forderte, dass Leipzig dem Berliner Bündnis „Wohnungsnot durch Aufteilung und Eigenbedarfskündigung stoppen“ beitritt.

Die Argumentation war klar:

  • Mieter mit geringen Einkommen werden verdrängt
  • Stadtviertel verlieren ihre soziale Vielfalt
  • Eigentumswohnungen gehen oft an Kapitalanleger aus dem Westen

SPD-Stadtrat Marius Wittwer äußerte Verständnis für das Anliegen. AfD-Stadtrat Udo Bütow verwies auf den Verwaltungsstandpunkt, der bereits Maßnahmen gegen Entmietungen aufzählt.

Fehlende Werkzeuge auf Landesebene

Die Stadtverwaltung verwies darauf, dass wichtige Instrumente fehlen. Weder eine Umwandlungsverordnung nach Baugesetzbuch noch ein erweiterter Kündigungsschutz nach Bürgerlichem Gesetzbuch wurden vom Freistaat Sachsen erlassen. Beide Maßnahmen sind Teil der Leipzig-Strategie 2035 mit dem Ziel „Bezahlbares Wohnen“.

Die Verwaltung erklärte, dass entsprechende Ersuchen regelmäßig an den Freistaat adressiert werden. Dennoch blockiert die Landesregierung seit Jahren. Bereits seit über zehn Jahren wartet Leipzig auf Unterstützung, doch die Staatsregierung zögert und verschiebt Entscheidungen.

Abstimmung im Stadtrat bringt Mehrheit

Am Ende erhielt der entscheidende Antragspunkt der Linksfraktion eine Mehrheit mit 38 zu 25 Stimmen. Damit soll Leipzig trotz fehlender Unterstützung auf Landesebene gegen die systematische Umwandlung von Mietwohnungen vorgehen.

Die Kernpunkte lassen sich zusammenfassen:

  1. Leerstandsquote in Schleußig und Plagwitz unter 1 Prozent
  2. Kündigungen und Umwandlungen in Eigentumswohnungen nehmen zu
  3. Freistaat verweigert notwendige Rechtsverordnungen
  4. Stadtrat Leipzig beschließt Antrag mit Mehrheit

Unter den aktuellen Bedingungen haben Investoren die Oberhand. Die Stadt kann ohne gesetzliche Instrumente nur begrenzt eingreifen. Das Thema wird Leipzig daher auch in den kommenden Jahren beschäftigen.

Quelle: Leipziger Zeitung